Die Evolution der Kooperation, der Strategie, der Ziele und des Erfolgs

Unternehmen und Organisationen suchen nach ihren Zielen und Erfolgsstrategien. Aufsteiger suchen nach ihren Zielen und einer Karrierestrategie, um den Erfolg zu erhöhen. Und Parteien setzen Ziele fest und entwickeln ihre Wahlstrategie, um den Wähler für sich zu gewinnen.

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Foto: Gerd Altmann /Shapes_AllSilhouettes.com / pixelio.de

Das Wort Strategie kommt aus der Sprache der Kriege. Bei der Frage nach der Strategie geht es um die Frage wie ich meinen Gegner besiegen kann. Man muss sich Gedanken über die nächsten Schritte machen und man muss das Ziel fest im Auge behalten.

Aber ist es so einfach, die Strategie des Krieges auf das Leben und damit auf den persönlichen Erfolg auszurichten. Ist nur die richtige Strategie dafür verantwortlich, ob ich im Leben erfolgreich und glücklich bin. Oder müssen in unserer Lebensstrategie auch andere Werte als nur die klassischen Erfolgsfaktoren berücksichtigt werden.

Um diese Frage zu beantworten, muss sich jeder einzelne zunächst einmal Gedanken über seine Ziele im Leben machen. Liegen meine primären Ziele im materiellen Bereich (Haus, Auto, Geld) oder liegen meine primären Ziele eher im geistigen Bereich (Glück, Wohlfühlen, Frieden). Dabei ist es wichtig zu erkennen, dass man sich nicht für das ein oder andere entscheiden muss. Ich muss nur eine klare Priorität schaffen. Wie heißt es so schön: Nicht das Geld ist der Grund allen Übels – es ist die Liebe in das Geld. Wir erinnern uns sicher an die Geschichte des Goldenen Kalbes im Alten Testament. Geld erleichtert das Leben, es hilft uns weiter und wir können anderen Menschen helfen. Doch unsere primären Ziele sollten auf einem soliden Fundament lagern.

Bei der Festlegung der richtigen Lebensphilosophie sind die richtigen Werte entscheidend und wie ich diese Werte in meiner Werteskale priorisiere. Und dann ist da noch die Frage, ob man gegen raffinierte Strategien mit starken Werten und einer starken Philosophie überhaupt ankommen kann. Was ist stärker. Lohnt es sich in der heutigen Zeit überhaupt noch Werte zu haben, oder ist dieses in dieser so materiellen Welt blauäugiges „Geschwätz“ von Moralpredigern und Werteaposteln?

Hierzu möchte ich auf ein Experiment der 50er Jahre eingehen. Es geht um das viel zu wenig bekannte Axelrod-Experiment. Seit den 50er Jahren gibt es die sogenannte Spieltheorie, die von John Neumann und Oskar Morgenstern begründet wurde. Die beiden Begründer leben nicht mehr, aber drei Wissenschaftler, die die Spieltheorie weiterentwickelt haben, wurden mit dem Wirtschaftsnobelpreis ausgezeichnet. Darunter als erster Deutscher Reinhard Selten aus Bonn.

Die Spieltheorie befasst sich mit der Frage:

  • Welche Verhaltensweisen sind erfolgreicher?
  • Welche Verhaltensweisen zahlen sich besser aus?

Im Rahmen der Entwicklung der Spieltheorie hat im Jahre 1979 der amerikanische Politik-Wissenschaftler Robert Axelrod ein hochinteressantes Experiment durchgeführt. Er hat unter Spieltheoretikern ein Turnier von Computerprogrammen ausgeschrieben. Es ging darum, die erfolgreichste Strategie zu finden, jene Strategie, die sich am besten auszahlt. Alles war zugelassen. Man durfte raffinierte Spielstrategien entwickeln, offene oder solche, bei denen die Karten nicht offengelegt wurden. Es ging nur um ein Ziel: Um den Auszahlungserfolg.

15 Programme mit den unterschiedlichsten Strategien traten in der ersten Runde gegeneinander an. Einer der Teilnehmer war der Mathematiker und Systemtheoretiker Anatol Rapoport aus Toronto. Er hatte das kürzeste und simpelste Programm geschrieben und nannte es „Tit for Tat“. Das Programm hatte vier Regeln:

  • Ich spiele offen. Ich habe keine geheimen Regeln in der Hinterhand.
  • Ich spiele immer auf Kooperation, suche Zusammenarbeit und die gemeinsame Optimierung des Nutzens.
  • Wenn mich einer, weil ich „so nett“ spiele, ausnutzen will, schlage ich unverzüglich zurück.
  • Aber ich bin nicht nachtragend. Schon in der nächsten Runde spiele ich wieder auf Kooperation. Ich bin also rasch im Vergelten und rasch im Vergeben.

Die Runde wurde gespielt  und Anatol Rapoport erreichte die größte Auszahlung. Das war eine Überraschung. Axelrod veröffentlichte die Analyse dieses Spiels und lud zu einem zweiten Turnier ein.

Nun wuchs die Zahl der Teilnehmer an. Diesmal traten Mathematiker, Wirtschaftswissenschaftler,  Ingenieure, Biologen und Computerfreaks mit an. Insgesamt waren es 26 Programme, die in dieser zweiten Runde gegeneinander antraten. Und zur Überraschung aller gewann Anatol Rapoport auch dieses zweite Turnier. Daraufhin entwarf Axelrod eine neue Turniervariante. Er unterwarf die einzelnen Programme einem evolutionären Selektionsprozess. Er simulierte die Wirkung einer natürlichen Auslese in seinem Computer. Die erfolgreicheren Programmvarianten konnten sich stärker vermehren. Die erfolgloseren starben aus. Jetzt setzte sich Rapoports „Tit for Tat“-Strategie sofort an die Spitze und baute ihren Vorsprung aus.

Besonders interessant dabei war, dass die Strategien, die auf die rücksichtslose Ausbeutung der Schwächeren setzten, sich anfangs vielversprechend vermehrten, dann aber untergingen. Ausbeutung brachte also kurzfristige Erfolge. Langfristige nicht.

Dieses Axelrod-Experiment kann gar nicht genug bekannt gemacht werden. Es müsste Bestandteil des Schulunterrichts sein, jeder Gemeinschaftskunde und jedes Religionsunterrichts. Das Ergebnis ist dramatischer, als jede Moralpredigt sein kann:

Die beste Strategie im Leben heißt:

  • Offen spielen
  • Zusammenarbeit suchen
  • Kooperativ arbeiten
  • Den gemeinsamen Nutzen fördern
  • Schnell vergeben

Kooperation ist keine Schwäche.

Axelrod selbst schreibt in seiner Ergebnisanalyse den Satz:

„Sogar Strategie-Experten aus den politischen Wissenschaften der Soziologie, Ökonomie, Psychologie und Mathematik machten systematisch die Fehler, zu wenig kooperativ für ihren eigenen Vorteil zu sein, zu wenig zu geben und zu pessimistisch hinsichtlich der Reaktionsmöglichkeiten der anderen Seite zu sein.“

Die Evolution der Kooperation modelliert aus spieltheoretischer Sicht wie Kooperation unter egoistischen Individuen selbst dann zustande kommen kann, wenn sie nicht durch eine äußere Instanz, durch Moral oder durch Gesetze erzwungen wird.

Die Wertedebatte muss in der heutigen kriselnden Zeit auf einer neuen system-theoretisch naturwissenschaftlichen Ebene geführt werden. Wenn wir langfristig als Menschheit erfolgreich sein möchten dann ist ein Umdenken überfällig.

Gastartikel: www.power-email-marketing.de

Weitere Informationen zum Axelrod-Experiment auf Wikipedia

http://de.wikipedia.org/wiki/Die_Evolution_der_Kooperation

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