Freizeitparks in Deutschland – Tourismus-Konzepte und Strategien

Rund 32 Mio. Menschen besuchen jährlich die etwa 210 deutschen Freizeitparks, Tendenz leicht steigend (Verband Deutscher Freizeitparks und Freizeitunternehmen (VDFU). In den Abenteuer- und Erlebnisparks, Natur- und Tierparks, Film- und Themenparks, Brandlands („Markenwelten“), Ferienparks sowie Indoor-Attraktionen, jeweils mit und ohne Übernachtung, werden rund 975 Mio. Euro Umsatz (Statistisches Bundesamt 2012) generiert. Allein die im Verband Deutscher Freizeitparks und Freizeitunternehmen organisierten 65 Parks mit mehr als 100.000 Besuchern beschäftigen mehr als 20.000 fest angestellte Mitarbeiter, hinzu kommen die Saisonkräfte.

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Aufgrund des hohen Flächenbedarfs, Restriktionen zur Geräuschemission sowie ökonomischer Motive (z.B. niedrigere Gewerbesteuern) wurden die meisten Freizeitparks in ländlichen Regionen, wenngleich oftmals in der Nähe größerer Städte oder Ballungsräume, angesiedelt. Räumliche Konzentrationen (z.B. in der Lüneburger Heide, siehe unten) bilden eher die Ausnahme, nur selten besteht direkter Wettbewerb um die gleichen Quellmärkte.

Die innerdeutsche Marktsituation ist somit insgesamt recht stabil. Der Wettbewerbsdruck aus dem Ausland nimmt aber vor allem für die Ferienparks zu, insbesondere aus den BENELUX-Staaten und Frankreich. Im innerdeutschen Wettbewerb entsteht neue Konkurrenz meist durch öffentlich subventionierte Anlagen (z.B. Tropical Islands, Brandenburg).

And ... Action Lutz-R. Frank via Compfight

Freizeitparks sind gerade in strukturschwächeren ländlichen Räumen potenzielle Leuchttürme der touristischen und allgemeinen regionalen Entwicklung:

Ausflugs- und Reiseanlass:

Freizeitparks sind oftmals der einzige Besuchsanlass für Regionen mit insgesamt eher geringer touristischer Angebots und Erlebnisdichte. Neue Attraktionen, Fahrgeschäfte, Shows, Events, Confertainment-Angebote (Tagungen und Veranstaltungen mit Unterhaltungswert) werden intensiv beworben und ziehen bundesweit die Aufmerksamkeit auf sich – eine potenzielle Bekanntheitssteigerung der umgebenden Region inklusive.  Zugleich steigt die Anreisedauer: Für den Tagesbesuch eines Freizeitparks  werden Anreisezeiten von bis zu zwei Stunden in Kauf genommen.

Ansprache wichtiger Kernzielgruppen ländlicher Regionen:

Freizeitparks richten sich sowohl an junge Menschen als auch an Familien als eine der touristischen Kernzielgruppen. Ebenso können, mangels sonstiger Attraktionen, sonst nicht erreichbare Tagungsgäste angesprochen werden.

Basis für Investition, Kooperation und regionale Wertschöpfungseffekte:

Freizeitparks sind Kristallisationspunkte. Bei sich abzeichnendem Erfolg investieren in ihrer Nähe weitere touristische Anbieter. So zählen sie oft zu den wichtigsten regionalen Arbeitgebern und erzeugen indirekte Arbeitsplatz- und Einkommenseffekte bei regionalen Dienstleistungs- und Zulieferbetrieben. Insbesondere umliegende (auch kleinere) Beherbergungsbetriebe und weitere touristische Diensteister profitieren von der Sogwirkung der Freizeitparks, sofern sie ihr Angebot auf Freizeitparkgäste abstimmen.

Synergien in der Vermarktung für die regionalen Tourismusorganisationen:

Die Verzahnung eigener Aktivitäten mit denen der Freizeitparks ermöglicht beiden Seiten eine verbesserte Zielgruppen- und Quellmarktansprache. Gemeinsame Angebote unter Einbindung kleiner regionaler Anbieter können in die oft deutlich reichweitenstärkeren Vertriebskanäle der Freizeitparks integriert werden. Die Potenziale gemeinsamer touristischer Entwicklung werden jedoch bei weitem nicht immer genutzt.

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Probleme und Hemmnisse sind:

Solitäres Angebot oft ohne Bezug zur Region, geringe Ausrichtung auf touristische Trendthemen und -zielgruppen für ländliche Räume:

Eher selten greifen Freizeitparks neben den klassischen Angeboten wie Fahrgeschäfte usw. auch regionale Themen auf. Auch der allgemeine Erlebniswert ist teilweise gering. Die bedeutsamer werdenden älteren Zielgruppen, wie Naturorientierte Best Ager, mit ihren Anforderungen an Authentizität, Komfort, Barrierefreiheit ebenso wie ethisch korrektes Verhalten sowie ökologische und soziale Verantwortung, werden oft noch unzureichend angesprochen.

Bewusstsein für Kooperationspotenziale teils nicht vorhanden:

Zwar besteht seitens der meisten Freizeitparks reges Interesse an Angebots- und Vermarktungskooperationen mit regionalen Tourismusorganisationen und Anbietern. Der Grad an regionaler Vernetzung mit touristischen Partnern ist jedoch oft gering; Freizeitparks werden eher als Wettbewerber denn als Partner betrachtet.

Ungünstige Rahmenbedingungen für Investitionen:

Um Wiederholungsbesucher (70-80 Prozent aller Besucher) zu akquirieren, müssen Freizeitparks ständig in neue Attraktionen investieren. Gefragt sind intensive, neue und ungewöhnliche Erlebnisse. Die Besucher wollen in eine Traumwelt eintauchen und den Alltag vergessen. Hierfür erforderliche Flächenvergrößerungen, hoher Ressourcenverbrauch sowie Verkehrs- und Lärmbelastungen stehen im zunehmenden Widerspruch zu Ansprüchen des Natur- und Umweltschutzes bzw. zu allgemeinen Nachhaltigkeitszielen.

Fachkräftemangel:

Wie bei anderen Branchen wirkt sich der Fachkräftemangel auch bei den Freizeitparks aus. Vor allem die meist auf April bis Oktober begrenzte Saison kristallisiert sich als größtes Hemmnis für eine dauerhafte Sicherung qualifizierten Personals heraus. So sind die Arbeitskräfte oft nur saisonal beschäftigt, haben unattraktive Arbeitszeiten und werden schlechter bezahlt als in anderen Branchen.

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Soll also das Leuchtturmpotenzial eines Freizeitparks im Sinne einer positiven gesamtregionalen touristischen Entwicklung genutzt werden, stellen sich folgende zentralen Herausforderungen an die Betreiber, die touristischen Leistungsträger, die kommunalen und regionalen Tourismusorganisationen sowie die Kommunalpolitik:

  • Inszenierung regional-authentischer Themen in Freizeitparks, z.B. Kultur, Natur, regionale Wirtschaft. Damit können neben dem erlebnisorientierten Stammpublikum weitere, für ländliche Räume wichtige Zielgruppen (z.B. Ältere), erreicht werden.
  • Auf- und Ausbau dauerhafter strategischer Kooperationen und Wertschöpfungsbeziehungen zwischen Freizeitparks, touristischen Leistungsträgern und Tourismusorganisationen im Umland bei Angebotsgestaltung und Vermarktung.
  • Profilierung als nachhaltigkeitsorientiertes Angebotssegment durch den konsequenten Einsatz energiesparender und klimaschonender Technologien und die Einbindung weiterer Partner aus der jeweiligen Region.
  • Schaffung marktgerechter Rahmenbedingungen vor Ort für Investitionen in nachhaltige Angebote und Attraktionen; Sensibilisierung für die positiven Effekte von Freizeitparks sowie Aktivierung und Ausbau von interkommunalen Kooperationsbeziehungen.
  • Fachkräftesicherung im stark saisonal geprägten Angebotssegment.

Schlüsselstrategien

Integrierte regionale Positionierung und Kooperation

Um die oftmals bestehenden Leuchtturmpotenziale von Freizeitparks in ländlichen Räumen optimal aus zu nutzen, wird einerseits die Sensibilisierung aller Beteiligten für die daraus resultierenden Chancen erforderlich, andererseits können Freizeitparks auch aktiv in die regionale Positionierung einbezogen und als Treiber für Angebots- und Marketingkooperationen auf allen Ebenen genutzt werden. Wichtige Voraussetzungen sind:

  • Gemeinsamer Reiseanlass Freizeitpark.
  • Übereinstimmung von Zielgruppen- (und ggf. Themen-).
  • Spektrum mit dem der DMO (Destination Management Organisation; regionale Tourismusorganisation, siehe Leitfaden S. 38)
  • Breit gefächertes Übernachtungsangebot im und um den Freizeitpark (Art und Preis der Unterkunft):

Damit können Freizeitpark und Region zur Kurzurlaubsdestination aufsteigen, neue Zielgruppen auch aus entfernteren Quellmärkten werden erreicht. Auch kleinere Anbieter profitieren somit vom Sog eines Freizeitparks.

Quelle: Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (BMWi), www.bmwi.de

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